Nach nur drei Trainingseinheiten mit der Mannschaft stand Neuzugang Arthur Theate bereits in der Startelf – und zeigte beim 0:2 in Dortmund als Linksverteidiger einen starken Auftritt. Auch Rasmus Kristensen räumte lange konsequent ab, sah in der Schlussphase aber bei den Gegentreffern nicht glücklich aus.
Frankfurts neue Außenverteidiger sorgen trotz des 0:2 für Stabilität
Am Ende war eigentlich alles wie immer, wenn die Eintracht nach Dortmund reist. Viel vorgenommen, nichts gerissen. Enttäuschte Gesichter, keine Punkte im Gepäck. 13 der jüngsten 14 Auswärtsspiele bei der Borussia verloren die Hessen. Trotzdem gibt es nach diesem Auftritt keinen Grund zur Schwarzmalerei.
Kristensen bis zum Gegentor bärenstark
Vor allem in der Defensive machten die Frankfurter lange sehr viel richtig, ließen kaum brenzlige Situationen zu. Das war nach dem wackeligen Auftritt bei der Generalprobe in Valencia (2:3) nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Doch die Eintracht agierte kompakt und diszipliniert, spielte zumindest in der ersten halben Stunde auch mutig nach vorne. Selbst in den Phasen, in denen der BVB die SGE weit in die eigene Hälfte drückte und die Entlastung fehlte, lag kein Tor der Gastgeber in der Luft.
Nicht zuletzt die beiden neuen Außenverteidiger trugen einen großen Teil zur Stabilität bei. Rasmus Kristensen (27) knüpfte zunächst an seiner überzeugenden Leistung im DFB-Pokalspiel bei Eintracht Braunschweig an. Mit einem starken Stellungsspiel und guten Timing in den Zweikämpfen war der dänische Nationalspieler der Fels in der Abwehr – und bis zur 72. Minute der beste Frankfurter.
Dass sich der dänische Nationalspieler vor dem 0:1 vom agilen Dortmunder Matchwinner Jamie Gittens austanzen ließ, schmälert zwar seine Leistung, kann aber passieren. Was hingegen nicht passieren darf: Sechser Ellyes Skhiri trabte in dieser Szene nur zurück und beraubte sich so der Chance, in den Zweikampf mit Gittens zu kommen oder den Schuss zu blocken.
Zu viele „Kleinigkeiten“ kosten Punkte
Ebenfalls ärgerlich: Vor dem 0:2 reklamierten Ansgar Knauff und Kristensen, statt im Mittelfeld den Passweg zu schließen; Robin Koch versäumte ein taktisches Foul. „Es geht in solchen Spielen immer um die Kleinigkeiten“, konstatiert Sportvorstand Markus Krösche. Unterm Strich kamen schon einige solcher „Kleinigkeiten“ zusammen. Bereits in der 55. Minute hätte Skhiri selbst für die Führung sorgen können, doch statt mit links abzuziehen, passte er ungenau zu Hugo Ekitiké. Der Franzose wiederum spielte in der 39. Minute eine Drei-gegen-zwei-Situation nicht gut aus, auch hier ließ Frankfurt eine potenzielle Top-Chance liegen.
Hugo Larssons schlechter Abschluss aus dem Rückraum (28.) darf in dieser Aufzählung nicht fehlen. Auch in dieser Situation wäre mehr drin gewesen, wenn der Mittelfeldspieler den Ball mit dem Vollspann genommen hätte. „Es ist wichtig, dass wir uns jetzt nicht auf die Schulter klopfen und sagen: Das war eigentlich ganz gut. Wir werden den Finger in die Wunde legen“, kündigt Trainer Dino Toppmöller an. 30 Prozent Ballbesitz sind selbst gegen ein Team wie Dortmund zu wenig. Auch die Zweikampfquote (40 Prozent) darf niemanden zufriedenstellen.
Ruhepol Theate als Lichtblick
Nichts ankreiden lassen muss sich Arthur Theate, Kristensens Pendant auf der linken Seite. Dem Neuzugang von Stade Rennes merkte man nicht an, dass er zuvor nur dreimal mit der Mannschaft trainiert hatte. Der belgische Nationalspieler ließ bis zu seiner Auswechslung in der 69. Minute nichts anbrennen, präsentierte sich stabil im Zweikampf und gut in der Spieleröffnung. „Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen“, sagt Krösche.
Dass Theate als Linksverteidiger in der Viererkette eingesetzt wurde, kam etwas überraschend. Viele hatten den Neuzugang nach dem Verkauf von Willian Pacho (Paris) in der Innenverteidigung erwartet.Zumal Toppmöller vor dem Pokalspiel in Braunschweig Linksverteidiger Niels Nkounkou noch ausdrücklich gelobt hatte: „Niels hat nach seiner Einwechslung in Valencia ein sehr starkes Spiel gemacht und viel Dampf reingebracht. Er hat die Verteidigungsmentalität gezeigt, die wir sehen wollen. Auch im Training feiert er sich für Grätschen ab. Er hat einen großen Schritt gemacht.“
Allerdings zahlte es sich aus, Theate links aufzubieten. Der 24-Jährige verteidigte seriöser als der zu Unberechenbarkeit neigende Franzose, und im Abwehrzentrum stand Tuta seinen Mann. „Arthur hat ein sehr gutes Spiel gemacht“, lobt Toppmöller. In Stein gemeißelt ist der Posten links in der Viererkette jedoch nicht.“Grundsätzlich sehe ich ihn schon auch als Innenverteidiger, weil er uns da durch seine gute Spieleröffnung sehr viel geben kann“, betont der Coach. Schon im Rahmen der Verpflichtung hatte Toppmöller geschwärmt: „Für einen Trainer ist es immer ein Traum, wenn ein Spieler so polyvalent ist.“

