Neue Saison, altes Lied: Auch der erste Dreier bleibt trotz Überzahl gefährdet.
Hoffenheim Defensive weiter anfällig
Am Ende war das kollektiv Durchatmen förmlich zu hören. Denn trotz eines Zwei-Tore-Vorsprunges und Überzahl hatte es die TSG am Ende doch wieder spannend gemacht. „Kiel kam zu einfach zu Chancen, am Ende sind wir noch nicht so erwachsen oder abgezockt, dass wir das Spiel unter Kontrolle haben und Kiel auch mal laufen lassen“, analysierte Kapitän Oliver Baumann, der mit einigen spektakulären Paraden den ersten Saisonsieg abgesichert hatte, „da haben wir noch ein bisschen was zu verbessern. Wir waren zu offen.“
Defensive hat Luft nach oben
Die Defensive bleibt ein wunder Punkt in Hoffenheim. Für Trainer Pellegrino Matarazzo nicht verwunderlich. „Wir spielen aktuell mit Tim Drexler als rechtem Halbverteidiger, der letztes Jahr noch bis Winter in der U 23 gespielt hat“, so der 46-Jährige, „er hat ein gutes Spiel gemacht, hatte mehrere erfolgreiche Aktionen, aber es gibt auch immer wieder welche woraus er wachsen kann und muss.“
Aber auch beim neuen Mittelmann der Dreierkette erkennt Matarazzo noch Luft nach. „Das Gleiche gilt für Anton Stach. Ich habe ihm gesagt nach dem Spiel, es ist zwischen Genie und Wahnsinn, manche Aktionen sind weltklasse und bei manchen braucht er noch ein bisschen Zeit, aber er ist aus meiner Sicht auf einem guten Weg.“
In weiser Voraussicht der Vakanzen in der Innenverteidigung hatte Matarazzo den Sechser zum Abwehrchef umgeschult, ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen sein kann. „Vor 15 Monaten hat er in Manz noch Außenstürmer gespielt, letztes Jahr bei uns auf der Sechs eine gute Roll gespielt, jetzt Zentralverteidiger“, lässt Matarazzo Stachs erstaunlichen Werdegang Revue passieren, „er macht es gut, nicht perfekt, aber gut.
Stach fremdelt mit neuer Rolle
Am Ende geht es auch darum, dass die Mannschaft als Einheit verteidigt, da haben wir noch unsere Schritte zu gehen.“ Das wurde auch gegen Aufsteiger Kiel wieder offensichtlich. „Klar gibt es einige Sachen, die wir besser machen müssen, das wissen wir auch, daran werden wir arbeiten, aber erste Halbzeit haben wir guten Fußball gespielt und guten Zugriff gehabt“, erkannte Stach auch die guten Seiten des erfolgreichen Starts.
Mit seiner neuen Rolle fremdelt der 25-Jährige immer noch ein wenig. „Es ist immer noch ein komisches Gefühl, weil ich häufig der letzte Mann bin“, so Stach, „mich ärgert es extrem, dass wir zwei Gegentore gekriegt haben, da ist der Fokus ein anderer, wenn man hinten drin spielt. Da müssen wir als Block mehr zusammenschieben und höher oder eben tiefer stehen, noch besser kommunizieren.“
Stach: „Das ist immer noch nicht in mir drin“
Sehnsüchtig blickt er zuweilen auf die sich im Mittelfeld ergebenden Räume, die er einst dort häufiger bespielen konnte. „Eigentlich ist es meine Stärke, dass ich mit Tempo dribbeln und Gegenspieler auf mich ziehen kann“, erklärt Stach, „ich muss darauf achten, dass ich schnell wieder hinten bin, das muss ich anpassen, damit ich nicht hinten fehle, aber das ist immer noch in mir drin.“
Mit dick bandagiertem linken Handgelenk erläuterte er seine Erkenntnisse aus dem ersten Saisonspiel. „Ich bin in einem Zweikampf weggeknickt, ich glaube, meine Kapsel ist kaputt“, verriet Stach, gab aber sogleich Entwarnung: „Aber es ist ja nichts am Fuß.“
Verstärkung aus Tschechien
Womöglich bekommt Stach bereits am Samstag in Frankfurt schon einen neuen Nebenmann, schließlich soll der am Sonntag für acht Millionen Euro von Viktoria Pilsen verpflichtete tschechische Nationalverteidiger Robin Hranac Hoffenheim auf Anhieb helfen können.

