„Friedhof“: Hasenhüttl und die sich nie schließende Wolfsburger Wunde

Sportlich war Ralph Hasenhüttl trotz des 2:3 gegen den FC Bayern nicht unzufrieden, jedoch vermisste der Wolfsburger Trainer bisweilen die Unterstützung von den Rängen. Den eingefleischten VfL-Fans tat er mit seiner plakativen Kritik keinen Gefallen.

Plakative Kritik des Trainers wird zum Bärendienst für eigenen Anhang

Friedhof. Dieses Wort sitzt erst einmal. Ausgesprochen von Trainer Ralph Hasenhüttl, als er nach dem 2:3 seiner Wolfsburger Mannschaft gegen den FC Bayern fehlende Unterstützung von den Rängen thematisierte. In der 72. Minute, beim Stand von 2:2, hatte der Österreicher den Einpeitscher gegeben, blickte hinter sich auf die VIP-Tribüne in der Volkswagen-Arena, ruderte mit den Armen. Er wollte, dass ein Impuls von den Rängen kommt, damit seine Mannschaft, die drauf und dran war, den Rekordmeister doch noch in die Knie zu zwingen, noch einmal zusätzlich gepusht wird.

„Dann kriegst du das zweite Tor, und dann ist wieder komplett Friedhof. Das kann nicht sein.“ (Ralph Hasenhüttl bei DAZN)

Der VfL verlor mit 2:3, hatte in der zweiten Hälfte ein Duell auf Augenhöhe geführt, der Trainer war enttäuscht. Nicht von seinem Team („Ich bin sehr stolz“), sondern mit dem Ergebnis. Und von der Stimmung. Er hatte das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre. Vielleicht dann, wenn die heimische Arena zum Hexenkessel geworden wäre. Und so sprach aus dem 57-Jährigen am DAZN-Mikro die Enttäuschung. „Es ist nur gemeinsam möglich“, erklärte er, „mir ist es manchmal ein bisschen zu ruhig gewesen. Wenn wir uns in jeden Zweikampf werfen, ein Spiel drehen, dann war mal kurz Stimmung. Dann kriegst du das zweite Tor, und dann ist wieder komplett Friedhof. Das kann nicht sein.“

Friedhof. Der Trainer sticht mit dem Zeigefinger in eine sich nie schließende Wolfsburger Wunde. Die Stimmung ist schließlich ein ständiges Thema. Der Wunsch nach mehr Feuer unterm VfL-Dach mag nachvollziehbar sein, aber was hat Hasenhüttl, der zuvor in Unterhaching, Aalen, Ingolstadt, Leipzig und Southampton trainiert hatte, erwartet? Es gibt in dieser Stadt, die nur rund 127.000 Einwohner zählt, logischerweise nicht so viele Anhänger wie in einer Millionen-Metropole. Es existiert ein harter Kern, aber es kommen auch viele Eventzuschauer, gerade dann, wenn Gegner wie der FC Bayern bei den Niedersachsen antreten. Dann sind, wie auch am Sonntag, weite Teile des Stadions Rot gefärbt.

Die Häme ist noch stärker als ohnehin schon

Das wird sich nur schwer ändern lassen. Und deswegen erweist Hasenhüttl den eingefleischten eigenen Fans, die traditionell in Deutschland einen schweren Stand haben, mit seiner plakativ formulierten Fan-Kritik einen Bärendienst. Seit Sonntagabend sehen sie sich in den sozialen Medien der landesweiten Häme noch stärker ausgesetzt als ohnehin schon. Wenn schon der eigene Trainer gegen sie schießt.

Womöglich ist es wie immer auch eine Frage der Perspektive, des Standortes. Dass auf den Business-Seats in Bundesliga-Stadien nur selten laut wird, ist kein exklusives Wolfsburger Phänomen. Den Ausgleich kurz nach der Pause per Strafstoß durch Lovro Majer bekamen viele noch gar nicht mit, die teuren Plätze waren noch leer, die Zuschauer befanden sich noch im VIP-Bereich. Das sind die Leute, die Hasenhüttl 90 Minuten lang am stärksten wahrnimmt. Oder eben auch nicht.

Arnolds Lob für den eigenen Anhang

Maximilian Arnold, der VfL-Kapitän, hatte auf dem Platz eine andere Wahrnehmung. „Es hat Spaß gemacht“, sagte das Wolfsburger Eigengewächs, der um die Befindlichkeiten des eigenen Anhangs und die Besonderheiten dieses Klub weiß. „Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, plus die Fans, das müssen wir mitnehmen in die nächsten Wochen.“

Bei der Wolfsburger Nordkurve hatte sich Hasenhüttl wie immer nach dem Spiel bedankt, streckte den Daumen nach oben, um anschließend ein Fan-Fass aufzumachen, das nun bundesweite Beachtung findet. Und irgendwie ist es ja auch in Ordnung, dass der Österreicher seine Empfindungen nach außen trägt, nur so lässt sich vielleicht nachhaltig etwas verändern. Erst recht nach Jahren des sportlichen Dahinsiechens, das die Skepsis auf den Rängen hat wachsen lassen. Hasenhüttl weiß: „Wir müssen in Vorleistung gehen.“ Da war das 2:3 gegen die Bayern, die Leistung nach der Pause, zumindest ein guter Anfang.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Neue Wettanbieter

BESITZER: Aurevia IT Group
LIZENZ: Curacao

JAHRESUMSATZ: 10.000.000€
BESITZER: GBL Solutions N.V.
LIZENZ: Curacao

JAHRESUMSATZ: 20.000.000€
BESITZER: Sprut Group B.V.
LIZENZ: Curacao

JAHRESUMSATZ: 1.000.000€
BESITZER: Liernin Enterprises LTD
LIZENZ: Komoren (Anjouan)

JAHRESUMSATZ: 1.000.000€
BESITZER: Liernin Enterprises LTD
LIZENZ: Komoren (Anjouan)

JAHRESUMSATZ: 1.000.000€
BESITZER: Liernin Enterprises LTD
LIZENZ: Komoren (Anjouan)