Holstein Kiel hat die Premiere in Hoffenheim mit 2:3 verloren und damit nach der Vorbereitung mit vier Niederlagen in Folge in gewisser Weise die Erwartungen erfüllt, und gleichzeitig doch die Skeptiker mit einem couragierten Vortrag überrascht.
Kiel: Lehrgeld bezahlt und doch teuer verkauft
Das erste Bundesligaspiel in der Kieler Vereinsgeschichte war gerade drei Minuten alt, da hatte es schon den ersten Aussetzer. Timon Weiners falsche Berechnung samt anschließendem Foul an Marius Bülter schien die Befürchtungen zu bestätigen, für den ersten Bundesligisten des Bundeslandes Schleswig-Holsteins könnte es in dieser Spielzeit alles eine Idee zu schnell gehen.
Weil jene Szene, die zum frühen Elfmeter und Rückstand führte, ein Symbol dafür war, dass die Kieler im Kopf und auf den Beinen zu langsam waren. Zumindest zunächst. „Wir kamen überhaupt nicht gut ins Spiel, waren nicht aggressiv genug“, sagt der Keeper und bekennt: „Ich schätze den langen Ball falsch ein, es ist mein Fehler und tut mir leid für die Jungs.“
Holstein wirkte bis zur ersten Trinkpause nach 25 Minuten hoffnungslos überfordert mit den Anforderungen, die das Oberhaus stellt, energisch und gestenreich redete Trainer Marcel Rapp während der kurzen Unterbrechung auf seine Spieler ein.
Schon im Anschluss daran und erst Recht nach dem Seitenwechsel mit der Hereinnahme von Finn Porath, dem Zurückrücken von Alexander Bernhardsson auf die linke Außenbahn anstelle des schwachen Tymoteuz Puchacz präsentierte sich der Neuling konkurrenzfähig. Aber es wurde eben auch sichtbar, dass noch etwas fehlt zur Bundesligareife. Lewis Holtby spricht von „mehreren Schlüsselszenen“.
Holtby: „… dann werden wir in dieser Liga bestraft“
Und hat Recht: Schon im ersten Durchgang hatten die Kieler Möglichkeiten zum 1:1, vernachlässigten beim Einlegen des Vorwärtsganges aber die Defensive. „Wenn wir Phasen haben, in denen wir mutig und aggressiv sind“, sagt der Kapitän, „können wir mithalten. Wenn wir aber Phasen haben, in denen wir etwas zaghaft sind, dann werden wir in dieser Liga bestraft.“
Wenn dann zudem Youngster und Ex-Hoffenheimer Andu Kelati binnen eineinhalb Minuten Gelb-Rot kassiert, ist das zu viel Lehrgeld, um in der Bundesliga Zählbares holen zu können – ganz gleich, wie teuer sich die Störche in einigen Phasen verkauft haben.
Der Trainer setzt auf den Lerneffekt und darauf, „dass wir am 20. Spieltag besser spielen als am ersten, dass wir mit jeder Partie besser werden.“ Aber kann das reichen? Der erste Lerneffekt aus Sicht seines Keepers Weiner, der nach dem Patzer zu Beginn mehrfach gut reagierte, ist dieser: „Die Intensität in der 1. Liga ist größer, alle sind etwas schneller. Aber wir haben uns teuer verkauft.“ Für Ertrag auf dem Konto indes hat das nicht gereicht.

