Diese Leihe lässt sich wunderbar an: Für Paul Wanner, Spitzenreiter FC Heidenheim und Stammverein Bayern München, der von der Entwicklung des Spielers profitiert. Trainer Frank Schmidt zeigt sich allerdings nach dem 4:0 gegen den FC Augsburg schon leicht genervt vom sich anbahnenden Wanner-Hype.
Schmidt vom Hype leicht genervt
Ein Elfmeterschütze wird in Heidenheim vor der Partie nicht bestimmt. Es soll schießen, wer sich gut und sicher fühlt. Also schnappte sich Paul Wanner den Ball in der neunten Minute und verwandelte mit seinem starken linken Fuß eiskalt und sicher rechts unten.
„Ich habe mir vorgenommen, dass ich schießen will, wenn es Elfmeter gibt“, sagte der 18-Jährige nach dem Spiel, als gebe es nichts Selbstverständlicheres. Vermutlich ist es das für diesen Hochbegabten auch, der auf dem Spielfeld und daneben so viel reifer wirkt als einer, der gerade volljährig ist. Übrigens: Mit 18 Jahren und 253 Tagen ist Wanner nun der jüngste Elfmetertorschütze der Bundesliga-Geschichte.
Wanner traf im DFB-Pokal, er wendete in der Conference-League-Quali mit Tor und Vorlage eine Verlängerung ab, schoss in seinen ersten beiden Bundesliga-Spielen für den FCH jeweils ein Tor, er spielt Fußball, rackert aber auch.
Exemplarisch dafür der Ballgewinn vor dem 3:0 durch Adrian Beck gegen den FCA, das er anschließend mit einem feinen Pass vorbereitete. „Man muss hervorheben, wie er das Tor einleitet“, lobte Benedikt Gimber. Wanner sei ein junger Kerl mit gutem Mindset. Und keiner, der so schnell abhebt.
„Wir sollten so aufhören, über Paul Wanner zu reden“
Diese Angst haben sie in Heidenheim tatsächlich nicht. Und wenn doch, würde Frank Schmidt die Bayern-Leihgabe schnell auf den Boden zurückholen. Zum Glück, so der Trainer, müsse er jedoch mehr Fans wie Umfeld klarmachen, dass es nicht nur um Paul Wanner geht, als dem Spieler.
„Wir sollten so langsam aufhören, über Paul Wanner zu reden. Er macht es überragend, keine Frage, aber am Ende funktioniert die Mannschaft.“ Leicht genervt klang Schmidt bei diesen Worten. Nicht zu Unrecht, schließlich drückten auch andere wie Leonardo Scienza, Jan Schöppner oder Adrian Beck dem Heidenheimer Spiel ihren Stempel auf.
Aber Wanner ist eben der Bayern-Spieler, das große Talent, der auf der Ostalb reifen soll. Vor allem an Körperlichkeit muss der Deutsch-Österreicher noch etwas zulegen, fußballerisch bringt er alles mit. Die Basics wie das Spiel gegen den Ball, darin sind sich alle Beteiligten sicher, wird ihm Schmidt weiter einflößen. In München, beim FC Bayern, schauen die Verantwortlichen sehr genau auf Wanners Werdegang.
Sehr erfreut registrierten sie in der vergangenen Saison, dass er sich in der 2. Liga bei der SV Elversberg durchgebissen und überzeugt hat. Nicht weniger erfreut werden sie nun sein. Läuft alles glatt, bekommt der Rekordmeister im kommenden Sommer einen top ausgebildeten Profi zum Nulltarif zurück und der geht dort seinen Weg weiter. Zunächst aber dürfte er sich auch beim nächsten Elfmeterpfiff für Heidenheim den Ball schnappen.

