Der starke Start gegen Stuttgart bringt dem SC Freiburg gefühlt mehr als drei Punkte. Mit Blick aufs Gastspiel beim FC Bayern steigen Vorfreude und Selbstvertrauen.
Lassen sich mit dem Schuster-Stil die Favoriten besser ärgern?
Das Phänomen zog sich durch die vergangenen Spielzeiten unter Trainer Christian Streich (59). Und es fand umso größere Beachtung, als der SC Freiburg seinerseits zu einem konstanten Europapokal-Kandidaten herangewachsen war. Parallel zu diesem Aufstieg entwickelten die Breisgauer einen regelrechten Komplex in direkten Duellen mit den absoluten Top-Teams der Liga.
In der Saison 2022/23 holten Kapitän Christian Günter (31) und Kollegen keinen einzigen Punkt in sechs Partien gegen München, Dortmund und Leipzig, die damaligen top Drei. 2023/24 blieb es dann bei einem mageren Zähler in insgesamt zehn Partien mit jenen fünf Mannschaften, die sich am Ende für die Champions League qualifizierten.
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Einzig dem FC Bayern konnte der SC am 24. Spieltag im Europa-Park-Stadion ein 2:2 abtrotzen. So gesehen ließe sich aus dem 3:1-Auftaktsieg gegen Vizemeister Stuttgart also auch die Hoffnung ableiten: Mit der im hohen Pressing aggressiveren und auf überfallartiges Umschalten angelegten Spielweise unter Coach Julian Schuster (39) sind die großen Favoriten womöglich ein Stück stärker in Bedrängnis zu bringen.
„Keine Kampfansage“ – aber große Überzeugung von der eigenen „Ekligkeit“
Eine Probe aufs Exempel bildet der 2. Spieltag aus Freiburger Sicht dabei allemal. Am Sonntag gastiert der SC in der Münchner Allianz-Arena, selbstredend als klarer Außenseiter. In bislang 24 Bundesligapartien beim FC Bayern gewann Freiburg noch nie, das letzte von insgesamt drei Unentschieden datiert aus der Saison 2018/19 (1:1). Eine überdeutliche Dokumentation der Kräfteverhältnisse, auch wenn Freiburgs 2:1-Erfolg im Pokalviertelfinale 2022/23 ebenfalls noch präsent ist.
Und diesmal ? „Wir machen jetzt keine Kampfansage an die Bayern“, betont Günter, trotz des rundum gelungenen Starts. Schließlich sei der SC schon desöfteren in guter Verfassung in die bayerische Landeshauptstadt gereist, „und dann haben wir dort trotzdem eine Packung bekommen“, erinnert sich Günter. Aber: „Wenn wir so wie gegen den VfB auf dem Platz stehen und eklig sind, können wir auch die Bayern vor Probleme stellen. Wir wissen um ihre enorme Qualität. Aber wir versuchen, ihnen Paroli zu bieten.“
Nicht ohne Punkte in die Länderspielpause: „Das hat uns den ganz großen Druck genommen.“
Noch etwas offensiver formuliert Patrick Osterhage (24) die geplante Herangehensweise: „Wenn man den Vizemeister schlägt, nimmt man schon Selbstvertrauen mit und muss sich auch bei den Bayern nicht verstecken. Die Marschroute sollte sein, etwas zu holen und nicht von vornherein nur auf Schadensbegrenzung aus zu sein.“
Dass der Erfolg gegen Stuttgart unter psychologischem Aspekt gleich doppelt wichtig war, lassen verschiedene Protagonisten deutlich durchblicken. Ist damit doch das – intern realistischer Weise vorab durchgespielte – Szenario eines Null-Punkte-Auftakts bis zur ersten Länderspielpause direkt abgewendet. „Darüber bin ich echt sehr froh“, bestätigt Lukas Kübler (31), zweifacher Torschütze am Samstag. „Wir wussten, dass es zwei sehr, sehr Spiele sind gleich am Anfang. Der Sieg hat uns jetzt den ganz großen Druck genommen, deshalb fahren wir mit breiter Brust nach München.“ Und gar mit noch breiterer Brust wieder zurück?

