Die kritischen Aussagen von Marco Friedl und Marvin Ducksch kamen intern beim SV Werder Bremen gar nicht gut an: Beide Profis mussten zum Rapport.
Werder-Profis mussten jeweils zum Rapport
Zu aktiven Spieler-Zeiten war Clemens Fritz selbst ein Mann der klaren Worte, dem Image des nichtssagendem Fußball-Profis entsprach der langjährige Werder-Kapitän nicht – und der 43-Jährige legt auch heute noch Wert darauf, findet: „Es ist grundsätzlich gut, wenn Spieler mehr wollen, und jeder kann seine Meinung sagen, ich bin ja auch ein Freund davon. Es kommt bloß immer drauf an, wie und wo man das sagt“, richtete der Bremer Sportchef aus: „Wir können intern über alles sprechen, aber nicht über die Öffentlichkeit.“
Und da haben ihn gerade am vergangenen Wochenende so einige Aussagen zweier Werder-Profis verärgert. Kapitän Marco Friedl und Marvin Ducksch hatten im Anschluss an das 0:0 gegen Borussia Dortmund deutlich kritische Zwischentöne angestimmt – die man zwar durchaus auch dem persönlichen Anspruch beider Spieler hätte zurechnen können; dass sie sich unzufrieden damit zeigten, dass ein ordentlicher Vortrag nicht für einen Heimsieg gereicht hatte.
Fritz: „Das brauchen wir nicht“
Für Fritz‘ Geschmack waren die gewählten Worte jedoch deplatziert. „Was mich unheimlich ärgert, ist, dass wir wirklich eine sehr gute Leistung abgeliefert haben gegen einen Champions-League-Finalisten – und trotzdem entsteht so ein Gefühl, als ob du 0:4 verloren hast“, befand der Geschäftsführer Fußball: „Und das nimmst du dann mit in die Länderspielpause. Das ist einfach unnötig, das brauchen wir nicht. Es gibt nun mal ein paar Themen, die nicht die Spieler zu bewerten haben: eine Auswechslung oder auch die Transferphase.“
Beides hatten Ducksch und Friedl am Samstag nun mal getan, als sie von den Reportern danach gefragt wurden: offen und ehrlich, wie das eben immer seltener vorkommt in der Branche. Nun wurden sie dafür von Werder am Sonntag zum klärenden Austausch gebeten, getrennt voneinander – auch Leiter Profifußball Peter Niemeyer war dabei. „Es war ein gutes Gespräch und es war auch Verständnis da“, sagte Fritz: „Wir tun gut daran, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren.“
Fritz zu Ducksch: „Eine andere Erwartungshaltung“
Darüber hinaus kann der Sportchef auch die nun weiterhin befeuerte Debatte über vermeintlich zu wenig Transferbewegung im Bremer Kader nicht mehr wirklich hören: „Wir haben alle Stammspieler unserer Mannschaft gehalten, wir sind auf jeder Position doppelt besetzt und haben eine gesunde Konkurrenz.“
Fritz richtete in diesem Zusammenhang auch noch mal ein paar Worte in Richtung Ducksch: „Und gleichzeitig haben wir Spieler, die kein Verständnis dafür haben, wenn sie ausgewechselt werden. Da ist unsere Erwartungshaltung eine andere und das haben wir klar kommuniziert.“
Kritik? „Dann kann ein Spieler jederzeit in mein Büro kommen“
Fritz empfindet die Nebengeräusche gerade auch deshalb als störend, weil sein bisheriger Eindruck in den Spielen gegen Cottbus, Augsburg und den BVB ein positiver gewesen sei: „Wenn man sich unsere Spielanlage anguckt, machen wir es gut, wir sind absolut konkurrenzfähig“, so der Ex-Profi: „Wichtig ist aber auch, dass wir nur in der Gemeinschaft erfolgreich sein können. Und einzelne Interessen haben da eben auch keinen Platz, da muss sich jeder einzelne der Mannschaft unterordnen.“
Wenn sich ein Spieler dann mal wieder äußern wolle, „gerne auch mal kritisch“, ließ Fritz wissen, „dann kann er jederzeit in mein Büro kommen und mit mir darüber sprechen – oder auch mit Ole (Werner, Anm. d. Red.) oder Peter“.

