Auch in Gladbach konnte sich Bayer 04 auf sein Last-Minute-Qualität verlassen. Diese arbeitet inzwischen in den Köpfen der Gegner, sind sich die Leverkusener Profis sicher. Doch dass diese Fähigkeit so oft nötig ist, belegt auch Schwächen des Doublegewinners. Weshalb nicht nur Robert Andrich warnt.
Bayers Last-Minute-Qualität nervt die Gegner
Es gehörte in der Rückrunde fast schon zu jedem Spiel wie der Schlusspfiff: Bayers Last-Minute-Treffer. Ein solcher sorgte auch zum Liga-Auftakt in Gladbach dafür, dass Leverkusen mit 3:2 die Oberhand behielt – in der elften (!) Minute der Nachspielzeit.
Ein Phänomen, das in seiner Häufigkeit verblüfft. In der erste Jahreshälfte 2024 waren Bayer allein in der Bundesliga zehn Treffer ab der 88. Minute oder später gelungen. Dazu kamen sechs weitere Last-Minute-Treffer in der Europa League und einer im Pokal-Viertelfinale gegen Stuttgart (3:2). 17 Treffer kurz vor Toreschluss in 28 Pflichtspielen – eine sensationelle Quote.
Und ein Phänomen, über das auch Xabi Alonso nur rätseln kann. „Das ist für mich schwer zu erklären, warum es passiert. Das ist etwas, was wir nicht trainieren“, erklärte der Trainer nach dem Sieg in Gladbach und schob fast endschuldigend nach: „Ich kann nichts dafür, es ist nur die Mentalität der Mannschaft. Das ist stark.“
Die Fähigkeit, bis zum Schluss an die eigene Qualität zu glauben und diese dann auch zu nutzen, ist für Bayer 04 ein großer Trumpf – und ein psychologischer Faktor, der in den Köpfen der anderen Mannschaften wirkt.
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„Für uns war es glücklich“, ordnet Granit Xhaka das späte 3:2 ein, „aber die Gegner sind diejenigen, die am Schluss ein wenig zappeln. Weil sie wissen, dass wir am Schluss kommen werden. Und so ist es passiert.“ Doch dem Mittelfeld-Strategen ist bewusst: Dass diese Qualität so oft greifen muss, zeigt auch, dass Defizite vorhanden sind. Vor allem im Defensivverhalten bewegte sich der Double-Gewinner in Gladbach nicht auf meisterlichem Niveau, verpasste zudem eine frühe Entscheidung.
„Natürlich können wir jetzt nicht immer hoffen, dass wir in der Nachspielzeit Tore machen“, betont Xhaka, „sondern müssen probieren, die Spiele schon vorher zu entscheiden.“ Und so mahnt auch sein Nebenmann in der Doppelsechs, Robert Andrich, mit unmissverständlichen Worten. „Es geht natürlich nicht immer gut“, sagt der 29-Jährige, um mit einem Grinsen anzufügen, „aber in dem Fall ging es mal wieder gut.“

