Aktuell ist Leverkusen in der Innenverteidigung gut aufgestellt. Doch jetzt treibt den Double-Gewinner die Sorge um, dass kurz vor Toresschluss ein ernsthaftes Angebot für Jonathan Tah hereinkommt. Einen Verlust des Abwehrchefs könnte Bayer nicht gleichwertig auffangen.
Geschäftsführer Rolfes macht Tür für Abwehrchef nicht zu
Spätestens seit Sonntagabend und dem Münchner 3:2-Sieg in Wolfsburg, bei dem die Darbietung der Bayern-Abwehr große Fragezeichen hervorrief, müssen sie in Leverkusen alarmiert sein. Werden die Münchner doch noch einmal aktiv, um Leverkusens Abwehrchef Jonathan Tah zu verpflichten, mit dem sie schon seit Wochen einig sind?
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Diese Vermutung wurde nach dem Schlusspfiff in Wolfsburg dadurch verstärkt, dass Münchens Sportdirektor Oliver Freund auf den personellen Engpass in der Abwehr aufgrund der Verletzungen von Josip Stanisic und Hiroki Ito und das noch bis Freitag geöffnete Transferfenster hinwies.
Coman-Verkauf könnte Kettenreaktion auslösen
Später folgte die offenbar von Tahs Beratern platzierte Info, dass der Nationalspieler Bayer 04 sicher verlassen werde – entweder in dieser Transferperiode oder eben ablösefrei im Sommer 2025, wenn sein Vertrag ausläuft. Eine taktisch gesetzte Aussage, die zum ganz normalen Pokerspiel auf dem Transfermarkt gehört, um Tahs Wechselwille noch einmal deutlich zu unterstreichen.
Als dann auch noch die Nachrichten von einem möglichen Wechsel von Bayern-Angreifer Kingsley Coman Richtung Saudi-Arabien die Runde machten, war der Mix komplett, um alle Voraussetzungen für ein Wiedereinsteigen der Münchner in den Poker um Tah zu sehen.
Einem Abgang des 28-Jährigen würde Bayer aufgrund der letzten Chance, für den Profi noch eine Ablöse zu generieren, aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten zustimmen. Vorausgesetzt, die Forderungen von 25 Millionen Euro Ablöse und Boni in Höhe von fünf Millionen Euro werden erfüllt.
Leverkusen hofft, keine Angebote zu erhalten
Wäre ein Wechsel ausgeschlossen, hätten die Bayer-Verantwortlichen wiederholt die Möglichkeit gehabt, einem Transfer öffentlich einen Riegel vorzuschieben und das Thema zu beenden. Erst recht, nachdem man den Bayern eine Frist gesetzt hatte, Tah aus seinem Vertrag herauszukaufen, und die Münchner diese am 8. August verstreichen ließen. Doch das endgültige Nein aus Leverkusen bleibt aus. Auch kurz vor dem Pokalspiel in Jena machte Geschäftsführer Simon Rolfes bei Sky die Tür nicht zu, sprach nur davon, dass er keine Indizien für einen Wechsel habe und „erwarte, dass Tah bleibt.“
Dass noch jemand aus Leverkusener Sicht angemessen auf Tah bietet, hofft bei Bayer allerdings niemand. Weil klar ist, dass man Tahs Verlust nicht adäquat ersetzen könnte. Zwar steht mit dem ablösefreien Joel Matip (33, zuletzt FC Liverpool) ein Ersatz parat. Doch, ob und wann der ehemalige Schalker nach seinem im Dezember erlittenen Kreuzbandriss wieder in Topform ist, ist fraglich.
Und auch wenn Matip als guter Charakter und auch ein potenzieller Führungsspieler gilt, würde die Frage gestellt werden, ob er – direkt würde das sicher nicht möglich sein – die Tah-Lücke schließen könnte. Ist Letzterer, der in seine zehnte Saison mit Bayer gegangen ist, doch nie verletzt, Dauerspieler, konstanter Leistungsträger, Führungs- und Integrationsfigur auf dem Platz und in der Kabine.
Holt Flick Tah zu Barca?
Es ist für Bayer quasi unmöglich, einen Eins-zu-eins-Ersatz für Tah zu verpflichten. Zumal dieser Spieler im Bereich des DFB ausgebildet sein müsste, damit Bayer nicht einen fest für die Champions League eingeplanten Profi von der Meldeliste für die Königsklasse streichen muss.
Also blicken sie in Leverkusen mit Sorge darauf, ob noch jemand seriös für Tah bietet. Womöglich die Bayern, die am Mittwochabend bei einer Aufsichtsratssitzung über mögliche Transfers beraten, wobei auch die Personalie Tah noch einmal thematisiert werden soll. Wobei die grundsätzliche Haltung der Bayern-Spitze sich nicht verändert hat und man wohl keinen Bedarf in der Innenverteidigung sieht.
Oder vom FC Barcelona, dessen Trainer Hansi Flick von derselben Agentur beraten wird wie Tah, und der unter bestimmten Voraussetzungen noch einen Innenverteidiger verpflichten möchte. Am Montag berichtete die spanische Gazette Diario, dass Tah bei Barca ein Kandidat sei. Am Mittwoch hieß es gar, Barca haben eine 20-Millionen-Offerte für Leverkusens Abwehrchef abgegeben.
Eine Meldung, die aber nicht über den Gerüchte-Status hinauskam. „Ich habe mit keinem der beiden Klubs kürzlich Kontakt gehabt“, so Rolfes. In Leverkusen hoffen sie, dass dieser Status bezüglich Tah bis Freitagabend generell erhalten bleibt.

